1. Veröffentlicht am 3. Februar 2014

    Der Elektroplaner und Nationalrat Jürg Grossen setzt sich für Elektromobilität und Energieeffizienz ein. Wichtig ist ihm dabei, als Vorbild zu handeln.

    Sie sind Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Elektromobilität. Warum setzen Sie sich für dieses Anliegen ein?
    Ich bin überzeugt, dass Elektrofahrzeuge – betrieben mit erneuerbarem Strom – eine gute Sache sind und ein hohes Potenzial haben. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, denn in unserer Firma betreiben wir zwei Elektroautos mit Solarstrom von unserem Dach. Die beiden Fahrzeuge legen zusammen jährlich 40 000 Kilometer zurück.

    Elektroautos konnten sich bis jetzt nicht durchsetzen. Woran liegt das?
    Es gab lange Zeit keine Serienfahrzeuge. Dies hat sich aber geändert, und die Preise sinken. Auch sind die Elektroautos heutzutage «cool»: Der Tesla beispielsweise hat bei den Verkaufszahlen andere Fahrzeuge in dieser Klasse überrundet. Trotzdem braucht eine solche Umstellung natürlich viel Zeit.

    Wie wollen Sie sicherstellen, dass der für Elektromobile verwendete Strom nicht Kohlestrom aus dem Ausland ist?
    Elektromobile sind nur dann richtig umweltfreundlich, wenn der verwendete Strom erneuerbar ist. «Dreckstrom» aus dem Ausland ist allerdings derzeit sehr günstig, denn der CO2-Preis ist tief, und die Kraftwerke sind häufig schon abgeschrieben. Mit einem Zuschlag auf «Dreckstrom» – komme er nun aus dem Ausland oder aus dem Inland – liesse sich die Problematik entschärfen und zudem unsere Wasserkraft schützen.

    Weshalb ist Ihnen Energieeffizienz wichtig?
    Die nicht verbrauchten Kilowattstunden sind die wertvollsten. Sie sind auch wertvoller als erneuerbare Energien, denn sie müssen nicht produziert, transportiert und gespeichert werden. Aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber den nächsten Generationen plädiere ich für mehr Energieeffizienz.

    Effizienzmassnahmen werden häufig durch gegenläufige Effekte kompensiert. Was wollen Sie dagegen tun?
    Mir scheint, dass dieser sogenannte Rebound-Effekt nicht mehr so wichtig ist. Mein Büro beispielsweise ist komfortabler als ein Standardbüro, weist aber trotzdem nur ein Viertel des üblichen Stromverbrauchs auf. Wir müssen uns von der Verbrennungs- zur Intelligenzgesellschaft entwickeln. Ein «Zurück-in-die-Höhle» durch Verzicht ist für mich nicht erstrebenswert.

    Lohnt sich das Stromsparen?
    Strom ist so günstig wie ein Wegwerfprodukt. Aus ökonomischen Gründen lohnt sich das Stromsparen deshalb heute nicht wirklich. Da ökologische Argumente nicht für jeden wichtig sind, bin ich für Lenkungsabgaben oder eine ökologische Steuerreform, damit die externen Kosten eingeschlossen werden können. Jetzt werden diese von den Steuerzahlern übernommen oder der nächsten Generationen aufgebürdet.

    Sind Aufrufe zum Energiesparen sinnvoll oder nur Alibiübungen?
    Man darf den Leuten kein schlechtes Gewissen machen, damit kommt man nicht weit. Es gilt, Vorteile und Zusammenhänge aufzuzeigen, es braucht Informationen und einige wenige Vorschriften, aber auch Vorbilder wie z. B. unsere Firma. In diesem Gesamtpaket haben auch Energiesparaufrufe ihren Platz. Es ist wichtig, jetzt zu handeln und nicht zu warten, jetzt ein Vorbild zu sein und nicht die andern machen lassen. Das ist übrigens auch spannend und befriedigend!

    Quelle: electrorevue 4/2014
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