1. Veröffentlicht am 12. Dezember 2012

    play Hat die Motion eingereicht: GLP-Nationalrat Jürg Grossen. (parlament.ch)

    Über 35’000 Bundesangestellte

    Die Bundesverwaltung beschäftigte Ende März 2012 35’618 Mitarbeiter. Geht es nach GLP-Nationalrat Jürg Grossen, sollen diese vermehrt von zuhause aus arbeiten.

    Über den Home-Office-Anteil beim Bund gibt es derzeit keine Zahlen. «Die Bewilligungen für Home Office werden vor Ort durch die Vorgesetzten erteilt», erklärt Andrea Clementi, Sprecher des Eidgenössischen Personalamts, gegenüber Blick.ch.

    Mobiles Arbeiten ist beim Bund durchaus ein Thema. Derzeit arbeite man an den Kriterien, die ein ortsunabhängiger Arbeitsplatz aus Sicht des Arbeitgebers erfüllen müsse, so Clementi. «Es sollen Kriterien im Sinne bundesweiter Richtwerte und Standards definiert werden.»

    Diese Arbeiten seien in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Stellen in der Bundesverwaltung – dazu gehören neben dem Personalamt das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB), das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) und Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) – angelaufen (rus)

     

     

     

    In Stosszeiten treten sich Pendler in den Zügen die die Füsse platt, auf Autobahnen und Hauptstrassen herrscht Stau.

    Der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen will das Problem auf besondere Weise angehen: Bundesangestellte sollen im Schnitt einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten.

    «Der Bundesrat wird beauftragt, den Anteil Home-Office-Arbeit in der Bundesverwaltung innert 5 Jahren auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen», fordert er in einer Motion, die er heute Mittwoch einreicht.

    «Zufriedenere und produktivere Mitarbeiter»

    Für Grossen gibt es zahlreiche Argumente, die für die Heimarbeit sprechen.

    «Der zunehmende Pendlerverkehr belastet die Umwelt und die Gesundheit stark und unsere Verkehrsinfrastruktur nähert sich immer mehr der Kapazitätsgrenze oder ist gar überlastet.» Die Folgen seien Umweltschäden, hohe Kosten und ein Verlust an Lebensqualität.

    Auch sozial- und familienpolitisch sieht er Vorteile. «Arbeitnehmer verbringen weniger Zeit auf dem Arbeitsweg und können ihre Arbeitszeit flexibler einteilen. Und die Arbeitgeber werden mit zufriedeneren und damit produktiveren Mitarbeitern belohnt.»

    «Home Office bedeutet nicht Wellness!»

    Keine Nachteile also? Etwa, dass Mitarbeiter zuhause rumtrödeln, lieber mit den Kindern spielen oder mit dem Nachbarn Kaffee trinken. «Das hängt von der Führung durch den Chef ab», sagt Grossen.

    Home Office gehört bei ihm zur Praxis. Der Elektroplaner beschäftigt in seiner Firma gut 30 Mitarbeiter. «Home Office bedeutet nicht Wellness! Wenn einer den ganzen Tag Kaffee trinkt statt arbeitet, dann merkt man das als kompetenter Chef, weil die Leistung entsprechend ausbleibt.»

    «Das Vertrauen in die Mitarbeiter ist das Wichtigste», beschreibt er seine Erfahrungen. «Schenkt man Vertrauen, kommt eine gute Leistung zurück.»

    Bund soll Vorreiterrolle übernehmen

    Grossen nimmt mit seinem Vorstoss nur den Bund in die Pflicht. «Gerade in der Bundesverwaltung gibt es zahlreiche Büro- und andere Tätigkeiten, die vor allem dank der modernen Kommunikationsmittel nicht zwingend eine ständige Präsenz vor Ort verlangen.»

    Der grünliberale Unternehmer ist sich sicher: «Geht der Bund mit gutem Beispiel voran, dann wird auch die Privatwirtschaft folgen – das Potenzial ist riesengross.»

    Der Artikel im Blick: http://www.blick.ch/news/politik/beamte-bitte-daheim-bleiben-und-arbeiten-id2137000.html